Herausforderung Palafito an drei Standorten

Anfang Jahr ging es mit dem Bau der zwei Palafitos im Südbanado los und ebenfalls mit meinem eigenen Stelzenhaus in der Chacarita, das ich dank Schenkungen aus der Schweiz jetzt in Angriff nehmen kann. Danke vielmals allen Spendern! Mein Palafito wird nur 5 Meter messen, dafür aber einen Teil Zementboden haben, damit ich dort die automatische Waschmaschine brauchen kann. Mit der reduzierten Grösse sollte es nicht teurer werden... und mit dem Holz, das vom Zementgiessen übrigbleibt, werde ich einen grossen Balkon bauen können.

An einem Dienstag kam dann noch Daisy mit ihren 2 Kindern an. Die flotte Handwerkerfrau aus dem Südbanado hatte immer grössere Probleme mit ihrem Partner und hat schlussendlich Kinder, Hab und Gut auf ihr Motocarga geladen und ist in die Chacarita gefahren, wo ich jetzt wohne. Escobi hat den guten Ruf, dass er ab und zu jemanden in sein Palafito aufnimmt, wenn’s brennt. Daisy ist eine ganz tüchtige Frau, aber trotzdem gings diesmal drunter und drüber mit den zwei Wirbelwinden von Kindern. Dafür hatten wir an ihnen brave Helfer beim Eisen verdrahten!!! Manchmal mussten wir allerdings den Kindern verbieten zu helfen, weil die Zangen nicht ausreichten!



Mittlerweile hatten wir die Eisen fertig verdrahtet und die Holzverschalung fertig gebaut, was immer mehr Arbeit ist, als man meint. So konnten wir die Fundamente giessen und erhielten dafür so viel Verstärkung, dass wir in einem halben Tag fertig waren.


In den nächsten Tagen gings daran, die Holzverschalung anzubringen und senkrecht zu stellen. Worauf die ersten 4 Säulen gegossen werden konnten. Wir hatten dabei viel Glück mit dem Wetter, da endlich Regen angekündigtet war, und wir trotzdem nie einen Tag aussetzen mussten und immer die Arbeit vorher fertig machen konnten.



Nach einer etwas mühsamen Züglete von Baumaterial in den Südbanado (ca. 10 Km Luftlinie durch die Stadt Asauncion) ging es mit den Fundamenten und Zementsäulen dort weiter. Die Arbeiten im Grundstück von Mariana und Hektor gingen ruckzuck. Ein motiviertes Team und viele Freiwillige liessen die Arbeiten schnell voranschreiten.

Hektor hat sich gut von seiner Herzoperation erholt. Zwar muss er lebenslänglich Medikamente schlucken, aber er darf sich jetzt körperlich wieder anstrengen, so sein Doktor. Daher ist er motiviert an seinem Hausbau beteiligt, wie hier im Foto wo er fleissig Kies schaufelt.

Das einzige Problem bei der Erstellung von Fundament und Zementsäulen war eine ungenügende Kieselsteinlieferung vom Materialdepot, da wir ein nähergelegenes gesucht haben und diese Leute viel weniger Steine bringen, wenn man 3 Tonnen bestellt. Dies hat zusätzliche Kosten verursacht, was gar nicht gut fürs Budget ist. Machen konnte man nichts mehr, das nächste Mal sind wir schlauer.



Danach stand ein mühsamer und teurer Materialtransport vom Haus von Mariana zum Landstück wo das Palafito von Giova gebaut werden soll. So an 3 Standorten zu bauen ist gar nicht ideal, konnte aber diesmal nicht vermieden werden. Die Treibstoffpreise sind in den Wolken und somit die Transportkosten auch. Um zum Palafito von Giova in einer der hintersten Ecken des Südbanados zu gelangen, muss man zuerst an der Müllhalde von Asuncion entlangfahren. Der riesige Müllhaufen, wo der Siedlungsabfall von Asuncion und Umgebung deponiert wird, ist Lebensgrundlage von zahlreichen Familien, die in der Umgebung des Mülldepots wohnen. Unter ziemlich schlechten Arbeitsbedingungen wird dort alles Brauchbare oder Reziklierbare aus dem Müll gelesen. Später wird dann der Haufen plattgewalzt und mit Erde zugedeckt.

Beim Bauen hat man Aussicht auf den "Cerro-Lambare" (ca. 100 m über dem Talboden), dem "Berg" von Asuncion. Rechts davon am Horizont kann man die Aufschüttung für die Küstenstrasse sehen, Links vor dem Cerro-Lambaré sieht man den hintersten Teil der Müllhalde.

Wegen dem Transportproblem haben wir das gesamte Holz am gleichen Ort gekauft und es in drei Lastwagen direkt an die 3 Standorte gebracht. Dies bedeutete aber, dass das Holz für Giova's Haus unter freiem Himmel gelagert werden musste. Da Giova noch nicht in der Zone wohnt und es dort viele Drogenprobleme gibt, wurde neben der Baustelle ein kleines Zelt aufgestellt, wo rund um die Uhr jemand Wache hält, damit weder Holz noch Werkzeug Beine bekommen. Dies stellte das Team gehörig auf die Probe, zumal Mariana und Giova endlich eine Teilzeitstelle gefunden hatten und diese nicht ausschlagen konnten, weil sie das Einkommen dringend brauchen. Das Wachen über 24 Stunden täglich war sehr ermüdend und in der ersten Woche sehr schwierig. Glücklicherweise war Daisy, die noch immer bei Escobi wohnt, bereit, eine Woche Freiwilligen-Arbeit zu leisten. Dies gab etwas mehr Zeit uns zu organisieren. Unser Vorarbeiter Ricardo war auch sehr zufrieden, eine so erfahrene Handwerkerin als Mitarbeiterin zu haben, zumal, wegen des unstabilen Bodens und der Höhe der Säulen einige Änderungen am Design nötig waren. Giovas Palafito hat längs zwei Zementbalken, wo die Holzbalken aufliegen werden.

Die erste Woche haben jeweils Hektor, Daisy und Christian morgens gearbeitet. Während ich mittags nach meiner Arbeit und Milchausliefern dazukam, und ich Daisy ihr Mittagessen mitbrachte (Ich kann jeden zweiten Tag etwas Milch ausliefern, die muss ich aber bringen, da die Leute weiter weg wohnen). Der öffentliche Verkehr ist aber so schlecht, so brauche ich von Tür zu Tür 1 Std. und 30 Min., somit habe ich mich umorganisiert und fahre jetzt jeden 2. Tag mit Ricardo morgens früh zum Bauplatz. Dies ist aber nur möglich, wenn ich am Tag zuvor das Futter für meine Ziegen einhole und alles vorbereite. Das ist dann ein sehr langer Tag. So kann ich aber den Morgen abdecken, wo es weniger Arbeitskräfte hat. 

Foto: Vorne Daisy und Hektor, Hinten Ricardo:


Auch Solo (links im Bild), der Sohn von Ricardo blieb als Helfer im Südbanado. Der junge Mann geht durch eine schwierige Phase und die Abwechsung und Ablenkung tut ihm sichtlich gut, sehr zur Freude seines besorgten Vaters. 

Foto: Links nach rechts: Solo, Escobi, Daisy, Christian.


Als dann am Dienstag die Wand angebracht wurde, war das Team schon so eingespielt, dass wir zwei Gruppen machen konnten, und so haben wir die Wand ruckzuck genagelt, das machte richtig Freude so zu arbeiten.

Noch unfertig hat das Haus eine richtig gute Aussischt!




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