Pilotprojekt Palafitos
Mittlerweile ist das letzte der vier Pfahlbauten fertig. Die Mitglieder des Konstruktionsteams brauchten etwas Ausdauer, da sie während der ganzen Bauzeit keine Aufträge annehmen konnten, aber auf Grund der Coronakrise gibt es hier ohnehin wenig Arbeit. Obschon es mittags jeweils noch einen Eintopf aus dem Suppentopf gab, war es für alle richtig schwierig, bis zum Abschluss der vier Einheiten durchzuhalten. Es zeigt wirklich eine grosse Motivation der Beteiligten, dass wir das Pilotprojekt beenden konnten.
Das Projekt konnte sozusagen ohne Lohnkosten abgeschlossen werden. Einzig der Schweisser, der die Halterungen der Holzkonstruktion auf den Säulen noch sicher anschweisste, wurde bezahlt.
Eine riesige Hilfe waren auch die vielen Freiwilligen, die tage- sogar wochenweise halfen um das Projekt zu unterstützen, aber auch zum Lernen. Der Vorarbeiter Ricardo ist ein ganz guter Lehrer und hatte sehr viel Geduld den vielen mehr oder weniger geschickten Helfern, die richtige Arbeitsweise zu erklären. Bild: Die Wand des dritten Hauses wurde von zwei Vierer-Teams gleichzeitig genagelt.
Das fertige dritte Haus, noch ungestrichen.
Die Sicht auf die fertigen Pfahlbauten von der Aufschüttung der Küstenstrasse her. Die beiden Häuser rechts wurden gerade gestrichen, als das Foto gemacht wurde. Während der Bau eines jeden Hauses Auftrag des ganzen Teams war, so war das Streichen Sache von jedem Hausbesitzer. Lediglich die Farbe wurde vom Projektfonds gekauft.
Na Tutti streicht die Innenwand ihres Stelzenhauses, damit ihre Tochter, alleinerziehende Mutter eines zweimonatigen Babys, so bald wie möglich einziehen kann.
Je nach Haus war das Streichen in der Höhe nicht ganz einfach. Nicht in jedem Fall war es möglich, das sichere Eisengerüst zu gebrauchen und somit musste manchmal ein etwas prekäres Holzgerüst genagelt werden.
Die letzte Herausforderung, die Treppe! Bis zum Schluss war es recht unsicher, ob die vorhandenen Spendengelder aus der Schweiz reichen würden. Schlussendlich musste ich Geld vorschiessen, damit die Treppen aus einem dauerhaften Material gemacht werden konnten. Ricardo hat sie selber entworfen, jedes Haus hat je nach Lage eine eigene Form, mit einer kleineren oder etwas grösseren Plattform.
Die Anfertigung der Plattform. Diese wurde aus Eukalyptusbrettern gefertigt. Plattform und Treppe müssen noch gestrichen werden. Dies wird jeder Bewohner selber machen. Je nach Streichtalent bleibt dafür Farbe übrig oder eben nicht!
Das erste Haus wurde mit halbtransparenter Holzschutzfarbe gestrichen und erhielt eine etwas grössere Plattform wegen der Lage der Treppe.
Haus zwei, auf den Balken links soll eine Brücke gebaut werden, die Haus eins und zwei verbindet und einen Zugang zu der Aufschüttung bildet, für den Fall einer Überschwemmung. Diese Brücken müssen aber erst noch finanziert werden.
Das dritte Haus, dieses sollte später zusammen mit einem weiteren, noch nicht finanzierten Haus eine Brücke zur Aufschüttung erhalten.
Das vierte Haus, von Ricardo, dem Vorarbeiter, wegen seiner Farbe liebevoll "Casa-Taxi" (Taxi-Haus, hier sind alle Taxis gelb) genannt, wartet auch noch auf eine Nachbar-Pfahlbaute damit für beide Häuser eine Brücke zur Aufschüttung gebaut werden kann, Ricardo ist schon dabei, dafür Pfosten zu sammeln.
Die Palafitos sind hier in der Zone auf sehr viel Interesse gestossen. Fast täglich kommen Personen um zu fragen, wie man zu so einem Haus kommen könne. Im Viertel 12. de Junio hat es 18 weitere Familien, die in einem Projekt berücksichtigt werden könnten. Mit sechs weiteren Häusern könnte man die Linie abschliessen, die am nächsten an der Aufschüttung ist.
Für den Fall, dass es trotz der Corona-Krise möglich wäre, ein weiteres Quartett Pfahlbauten zu finanzieren, müsste man aber mindestens den Lohn für Ricardo einschliessen, denn ohne Vorarbeiter kann man nicht bauen. Damit, und die starke Teuerung eingerechnet, müsste für jedes Haus ungefähr 1'800 Franken zusammenkommen um den Abschluss des Projektes sicherzustellen.
Bei der Auswahl der Familien musste vor allem auf eine nahe Lage des Hauses zur Aufschüttung, wegen der Brücken, geachtet werden und auch darauf, dass zumindest ein Familienmitglied sich verpflichtet, bis zum Schluss des Projektes mitzuarbeiten, was ein grosser Aufwand ist. Sollte eine weitere Serie möglich sein, wird dies so bleiben müssen. Natürlich wurden und werden keine Familien berücksichtigt, die sich aus eigener Kraft so ein Haus bauen könnten. Da aber, jetzt wo ein Resultat sichtbar ist, der Ansturm gross ist, muss notfalls eine Vorauswahl per Los getroffen werden. Auch gab es unter dem Nachbarn hier schon eine Initiative, für die Brücken lokal Fundraisingaktionen zu machen. Somit ist es auch denkbar, dass das nächste Team einen Teil der Kosten durch Aktionen in der Zone decken könnte, zum Beispiel mit "Polladas", eine Art Fundraisingaktion, wo an einem Sonntag Huhn mit Reissalat verkauft wird, meist werden da im Voraus Gutscheine verkauft um abzusichern, dass nichts übrigbleibt.
Aber auch mit viel gutem Willen wird es nicht möglich sein, dass die Familien sich ihre eigenen Häuser finanzieren können. Das Einkommen reicht dafür schlicht und einfach nicht. Mit einem Mindestlohn, der laut einer Studie von Luis Rojas 50% der Paraguayos nicht erreichen, kommt man nur sehr knapp über die Runden. Für eine Familie mit Kindern ist es kaum möglich aus ihrem Einkommen Miete, Strom und Wasser zu zahlen. Genau deshalb sind die Bañados entstanden, wo sich Familien mit tiefem Einkommen niederlassen. Es sind dies vor allem vertriebene, landlos gewordene Kleinbauern oder die Landbevölkerung generell, die vor den fehlenden Verdienstmöglichkeiten flüchteten. Hier in diesen Vierteln haben sie Zugang zu Schulen, Spitälern und Arbeitsstellen. Wer keine Stelle hat, hat mindestens die Möglichkeit ein Kleinstunternehmen aufzubauen, zum Beispiel der Verkauf von Teigtaschen oder zu taglöhnern und sich so über Wasser zu halten. So können sich die Menschen langsam eine bescheidene Existenz aufbauen. Jede Überschwemmung (wegen Abholzung, Klimaerwärmung und durch Agrochemie verdichtete Böden, werden diese immer häufiger) macht all diesen Aufwand zu nichten. Ich habe mehrmals selber erlebt wieviel während den Überschwemmungen verloren und kaputt geht!!! Die Familien sind gezwungen jeweils wieder von vorne anzufangen. So ist kein Vorwärtskommen möglich. Kein Wunder ist das Interesse für die Palafitos so gross.
Ich
bin überaus dankbar für jede Spende, die uns die Weiterführung dieses
Projektes ermöglicht. Es gibt diesen Menschen neuen Antrieb und viel
Hoffnung!



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