Brückenbau Teil 2

Seit dem letzten Blogeintrag haben wir täglich an der Brücke gebaut und diese sollte bald fertig werden. Dies war dank Spenden möglich, so konnten wir Ricardo etwas zahlen und auch Paletten kaufen, da wir wenig Paletten gespendet bekamen. Ausserdem hatten wir auf diese Weise eine grosse Menge gleichartige Paletten und somit gings dann auch schneller vorwärts.

Das Wasser stieg zuerst sehr rasant, 10 bis 16 cm pro Tag. Zum Glück war der Flussspegel vorher sehr tief, so hatten wir genügend Zeit zu bauen.


Mit der Struktur mussten wir Gas geben, denn da ist es wichtig noch trocken vom Boden aus arbeiten zu können. Die Karanda'y-pfosten sind schwer, so müssen mindestens 4 Personen sein, um da richtig arbeiten zu können.


Die 7 Meter langen Karanda'y Posten werden auf die Transversalen hochgehoben, wo sie durchbohrt und mit rostfreien Eisenschrauben (ich weiss nicht richtig was für ein Material dies ist, aber sie sind jedenfalls sehr resistent) angeschraubt werden. Da die Karanda'y-Pfosten übereinander zu liegen kommen gibt es nicht eine ganz flache Brücke, aber es ist so viel einfacher und schneller.



Kurz bevor das Wasser so weit stieg, dass es beim Arbeiten störte, konnten auch noch die "Pfeile" angebracht werden, die der hohen Brücke noch zusätzlich Stabilität geben sollen.


Danach wurde es unten nass und glücklicherweise konnten wir die Paletten von oben anschrauben.

Mein Haus, das von Tuti, Daisy und Nenito stehen mittlerweile unter Wasser. Auch mehrere Nachbarn, die kein Palafito haben, wurden überschwemmt und mussten in diesem Fall ins provisorische Lager zügeln, das diesmal auf der Aufschüttung eingerichtet wurde. Wie jedes Mal war es eine Riesensache, bis die Familien endlich Materialien, Strom und Wasseranschluss hatten.

Wir haben unterdessen das Geländer der Brücke angebracht. Anstatt mit Pfosten haben wir die das Geländer mit Palettenholz verstärkt. Die Pfosten werden dann noch zusätzlich angebracht, wenn das Wasser sinkt und man wieder von unten arbeiten kann. Das Geländer hilft ausserordentlich, dass die Brücke nicht so nachgibt, wenn man darüber geht, da die Karanda'y sehr elastisch sind.

Auch die Häuser wurden mit der Brücke verbunden, da die Distanzen nicht so gross sind, konnte ein Ende am Haus, das andere an der Brücke festgeschraubt werden.

Mittlerweilen ist die Brücke so gut, dass sie fleissig genutzt wird, sie ist für eine runde Terere richtig ideal.


Feierabensstimmung am Brückeneingang vom Haus von "Hombre" direkt an der Aufschüttung.

Don Dorotheo sitzt im Schatten auf der Brücke, wo eine angenehme Brise weht.

Damit die ganze Familie von Dona Tuti auch Platz hat, haben sie ein zweites Zimmer an ihr Palafito angebaut. Dafür brauchte es nur 4 Karanda'y und für den Boden konnten die etwas spät gespendete Paletten benutzt werden. Für Dach und Wand hat ihr Sohn "Hombre" das Zimmer abgebaut, wo ich früher darin gewohnt habe.


So ist jetzt genug Platz für die 7 köpfige Familie entstanden, während der Überschwemmung muss man immer etwas zusammenrücken. Foto unten: Dona Tuti kocht "Vori Vori" mit Aussicht auf das Dach ihres überschwemmten Hauses. Bei ihr gab es immer einen Teller mit Essen, wenn wir mit Brückenbauen beschäftigt waren und nicht kochen konnten.


Den Eingang der Brücke haben die Kinder spontan gestrichen. Es ist vielleicht nicht ein perfekter Anstrich, aber es ist schön, dass sie Freude daran haben. Das Haus mit dem gelben Dach ist das provisorische Palafito von Daisy, das an die Brücke angebaut wurde. Auch dort konnten wir mit Material helfen.

Das Bild unten zeigt mein Palafito, welches mir sehr gefällt.

Meinen Brückeneingang haben wir etwas grösser gemacht, damit ich einen kleinen Hühnerstall bauen konnte. Bald musste ich meine Hühner evakuieren.


Für meine Salatsetzlinge habe ich kurzerhand zwei Syroporbehälter mit der schönen Komposterde meines Gartens gefüllt, bevor diese Matsch wurde. So habe ich jetzt ziemlich alles oben.

Die Ziegen musste ich zum Teil auf die Aufschüttung zügeln. Ein Teil konnte ich aber im Stall lassen, da dieser auf einer kleinen Anhöhe steht. Es passt ihnen zwar gar nicht durch das Wasser zu waten um zum Grasen zu gehen, aber so gibt es weniger Arbeit.


Mittlerweile steigt das Wasser nicht weiter. Es scheint, dass diesmal die Überschwemmung etwas kleiner auffallen wird. Ob wir im Mai und Juni wieder mit grösseren Wassermassen rechnen müssen, hängt davon ab, wie schnell das jetzige Wasser abzieht.

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