Brückenbau
Im alten Jahr ist überraschend der Fluss, dessen Wasser nun mehrere
Jahre auf einem historisch tiefen Niveau befand, bedrohlich gestiegen.
Zwar hat der Meteorologe, den ich jeweils um Rat frage in diesem Moment
gemeint, es sei noch nicht besorgniserregend, trotzdem haben wir
beschlossen, früher als geplant mit dem Bau der Fussgängerbrücke zu
beginnen. Dafür haben wir 110 Caranda'y Pfosten gekauft, das waren ganze
10 Millionen Guaranie, die ich zum Glück noch auf dem Spendenkonnto
hatte. Wir haben alle Pfosten ins Grundstück von Nano gebracht und
gestapelt. Das hat uns an diesem Tag recht an die Grenzen gebracht, sie
sind ziemlich schwer.
Da alle, auch Ricardo, gratis für die Brücke arbeiten und unter der Woche ihrer Arbeit nachgehen, ging es mit dem Bau nur im Schneckentempo voran. Wenn man wie Ricardo und Nano Montag bis Samstag, bei der unerträglichen Hitze des paraguayischen Sommers, auf dem Bau arbeitet, hat man jeweils sonntags nicht mehr so viel Energie, um wieder in der Sonne und Hitze zu arbeiten. Trotzdem haben wir jeden Sonntag 6 bis 8 Pfosten eingelocht.
Die Festtage fielen dieses Jahr genau auf das Wochenende, somit hatten wir am Jahresende eine grössere Pause. Auch hatten wir wieder Zeit, da das Wasser so schnell zurück ging wie es gestiegen war. Im neuen Jahr ging es mit Pfostensetzen weiter, vom letzten Palafito bis zur Aufschüttung, zwei Pfosten alle 6,5 M, diese einen Meter tief eingelocht. Alles Handarbeit!
Ein
Karanda'y misst 7 Meter, da die Pfosten nur 4 Meter hoch sein sollen,
blieb ein 2 m Stück vorrätig. Dieses wird als Verbindungsstück der 2
Pfosten angebracht, wo danach die Brücke aufliegt.
Heute wollten wir die letzten dieser Verbindungstücke anbringen. Ein erneuter Anstieg des Flusses macht Sorgen im Viertel, diesmal sorgt sich auch der Meteorologe. Flussaufwärts hat es viel geregnet und der Fluss hat ein gefährlich hohes Niveau. Da Ricardo gerade arbeitslos ist, haben wir begonnen öfters zu arbeiten. Sollte es wirklich eine grössere Überschwemmung geben, müssen wir in 3 Wochen mit Wasser rechnen. Um dies zu schaffen müssten wir Vollzeit arbeiten. Dazu braucht es täglich den Einsatz von Ricardo und genügend Helfern, diese können rotieren, aber zumindest Ricardo muss einen Lohn bekommen, damit er dies durchhalten kann. Dies ist jetzt eben eine Geldfrage und es ist nicht klar wieviel Geld wir noch für Holz (für den Handlauf und Sicherheit) und die Brücke selbst brauchen und somit nicht sicher, ob wir uns das leisten können.
Ausserdem müssen wir für Daisy noch ein provisorisches Palafito erfinden, dies wird vermutlich an mein Häuschen angebaut. Die Karanda'y pfosten liegen dafür schon bereit.






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