Projekt "Palafito"

Seit etwa einem Jahr hatte eine Gruppe von Architekturstudenten während einer praktischen Arbeit in den Bañados ein Stelzenhausprojekt (Palafitos) entworfen. Gedacht war dieses Projekt für eine Zone, die ausserhalb der Costanera Norte geblieben war und so auch überschwemmt werden würde, wäre die Costanera (Küstenstrasse) in einen Damm verwandelt worden. Das Projekt der Studenten hat mich sehr beeindruckt, weil es in seiner detaillierten Umsetzung sehr gut auf die Bedürfnisse der Menschen dieser Zone abgestimmt ist und weil die Häuser mit Stegen verbunden sind und auch daran gedacht wurde ist, hochwassersichere Pferche für Schweine in die Projektpräsentation einzubringen. Das Projekt und seine Entstehung wurde in einem kleinen Video auf Youtube veröffentlicht, der Link an der Stelle wo das fertige Projekt vorgestellt wird:  https://youtu.be/2CwUV9wYqsQ?t=148qsQ
Leider blieb das Projekt bisher ohne Finanzierung, die paraguayische Regierung braucht Wohnungsbauprojekte ausschliesslich für Propaganda, als Versprechen, die Anwohner vom Projekt Franja Costera betroffenen Familien einfacher umzusiedeln und um das Projekt vor der breiten Bevölkerung und im Ausland zu rechtfertigen. Von den Familien, die mit dem Versprechen eines Eigenheims für das Projekt in provisorische Lager umgesiedelt wurden, bekam bisher niemand die versprochenen Häuser.



Seit einiger Zeit begleite ich eine widerstehende Gruppe in der Chacarita, eines der wenigen Beispiele, wo die Anwohner der überschwemmungsgeplagten Zonen erfolgreich dem Projekt Franja Costera getrotzt haben. Unter anderem ist es einer Gruppe von ungefähr 20 Familien gelungen, die Arbeiten fast ein Jahr stillzulegen. Ihre Forderung war eine gerechte Entschädigung, gerecht im Sinne eines Betrags, mit dem man in Stadtnähe ein Grundstück kaufen kann. Schon fast 2 Jahre sind vergangen und die Forderungen wurden nicht erfüllt, der Aufschüttungssand hat einen Bogen um diese Zone gemacht und die Aufschüttung wurde abgeschlossen. Die folgende Drohnenaufnahme habe ich just im Moment gemacht, wo die Baufirma mit der Abschliessung der Verschalung des Sandes beschäftigt war. Das sind die schwarzen Flächen, die man sieht. 


Leider haben die Familien, da sie jetzt von Aufschüttungen umgeben sind, nicht nur bei Hochwasser, sondern auch bei starkem Regen Probleme mit dem Wasser. Darum kam auch hier das Stelzenhausprojekt zur Sprache. Mit Ricardo, einem der Anwohner, der Bauschreiner und auch sonst ein erfahrener Bauarbeiter ist, haben wir darüber geredet wie das Projekt an die Zone angepasst werden könnte und wieviel jedes Haus denn so kosten würde. Das angepasste Projekt soll eine Notlösung bei Hochwasser bieten, aber mit den bestehenden Bauten kombiniert werden, um den Kostenaufwand möglichst tief zu halten. Somit besteht die Projektidee von Ricardo darin, die Stelzenhäuslein 4 auf 6 Meter zu bauen mit einem Zimmer und einem WC und mit der Möglichkeit, nach Bedarf vergrössert werden zu können. Die Pfeiler sollen aus Zement sein, Boden und Wände aus Holz. Der Kostenaufwand des Materials pro Haus ist ungefähr 1'000 Franken. Die Familien in der Zone sind klein und viele haben ohnehin nicht mehr Wohnraum, da sie arm sind, somit ist die Grösse ausreichend. Die Häuser sollen die Anwohner selber bauen, Ricardo hat sich als Baumeister angeboten und es abgelehnt, dass man einen Lohn für seine Arbeit miteinrechnet. Kurz bevor das Coronavirus-thema losging, haben wir zu planen begonnen wie das Projekt zu finanzieren wäre, mit Hilfe von Crowdfunding z.B. Die Coronakrise hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Aber da ich seit einiger Zeit Spendengelder, die ohne bestimmten Zweck oder offen mit dem Vermerk "Projekte in Paraguay" eingingen, auf dem Spendenkonto gelassen habe, da ich sie gerne in etwas mit einer langfristigeren Wirkung investieren wollte, haben wir beschlossen, in dieses Pilotprojekt zu investieren. Das vorhandene Geld sollte knapp und dank dem günstigen Kurs für 4 Stelzenhäuser reichen. Die Familien auszuwählen war eine heikle Sache. Massgebend war die Wohnlage nahe an der Aufschüttung (um dort eine Brücke anbringen zu können), und die Rolle, die die Person in der Widerstandsbewegung gespielt hatte. Die vier ausgewählten Familien, sollte das Projekt nicht weitergeführt werden können, müssten die überschwemmten Häuser ihrer Nachbarn verteidigen können, sollten während einer Überschwemmung wieder Aufschüttungsarbeiten begonnen werden. Die vier Familien müssen Stück für Stück ihres Stelzenhauses und das ihrer Nachbarn aufrichten. Auch werden sie ein Vertrag unterschreiben, wo sie sich verpflichten, den investierten Betrag ans Projekt zurückzugeben, sollten sie einmal Entschädigung für ihr Haus erhalten oder dieses verkaufen wollen.
Vor einer Woche wurden die Arbeiten begonnen. In der Folge einige Bilder:

Ricardo fertigt die Eisengerüste an.
Der Zement kommt an

 Don Dorotheo, der Chipero, schaufelt das Loch für das Fundament

 
Ricardo steht zufrieden neben dem Betonmischer, der die Arbeit um vieles erleichtern wird
 

Die Stahlgerüste für die Zementsäulen werden angebracht

Die ganze Familie am Arbeiten...


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