Palafito und el niño Phänomen
Auf Jahresende wird ein starkes el niño Phänomen prognostiziert. Zwar ist der Pegel des Paraguay Flusses immer noch tief und die näheren Prognosen zeigen noch keine grösseren Anstiege an, doch das Wetter ist je länger je regnerischer und sintflutartige Niederschläge haben vielerorts lokal zu Überschwemmungen geführt. Diese unsichere Lage macht es schwierig zu planen. Eine erneute "klassische" Serie von Palafito (mit Betonpfosten) kommt daher eher weniger in Frage. In Gesprächen mit Nachbarn stellte sich heraus, dass viele Familien Materiale für Dach und Wände eines provisorischen Palafitos bereit haben, die meisten aber über keine Pfosten und kein Material für den Boden verfügen. Je nach Fall haben wir ausgerechnet, was denn nötig wäre, um das vorhandene Material zu ergänzen. Und so sollten in den nächsten Wochen 3 weitere Palafito entstehen.
Palmpfosten für Häuser und Brückenpfeiler:
Don Kryto entwarf für seine Grossfamilie ein langes Palafito, welches mehrere Familien beherbergen soll. Für den Boden haben wir in diesem Fall Eukalyptus-bretter eingekauft. Für so eine grosse Plattform ist es einfacher Bretter zu verwenden. Ausserdem braucht so für den Boden keine Eukalyptus-pfosten, nur Palmpfosten.
Die Familie von Don Kryto sind tüchtige Handwerker. Jeweils am Sonntag arbeiten sie zusammen an ihrem Langhaus. Sogar ein Bruder aus dem San Franzisco Viertel reist dazu an. Die Struktur hier wird noch Pfeiler brauchen, damit sie stabiler ist.
Die Dachform ist diesmal anders, ohne Zentralbalken. Es überrascht mich immer wieder wie viele Bautechniken die Leute hier kennen, und sie je nach vorhandenem Material die Bauweise anpassen können. Studiert hat keiner von ihnen, man lernt dies auf dem Bau und gibt auch das gesammelte Wissen der Familie weiter. Ich bin gespannt wie dieses neue Palafito aussehen wird, wenn es fertig ist.
Hier wurden die Resten der Eukalyptus-Pfähle als zusätzliche Verstärkung verwendet, zusammen mit den Resten der Bretter.
Hier wurden Eisenstangen zugespitzt und als grosser Nagel verwendet um das Gerüst des Dachs auf dem Karanday-Pfosten festzuhalten. Von unten könnte man beinahe meinen es sei gar nicht festgemacht.
Die Frau von Kryto mit einem ihrer Söhne und einigen ihrer Grosskinder machen gebrauchte Nägel wieder gerade, so muss man weniger kaufen.
Das Dach im Bau von unten. Ein Teil des unfertigen Daches hat sogar schon den ersten Sturm überlebt. Die Lage ist aber recht gut, es hat viele Bäume darum herum, so bietet das Palafito nicht eine direkte Angriffsfläche, da die Bäume die Böen schon brechen werden.
Ein Teil des Daches wird Wellblech sein, ein Teil Eternit (Faserzement). Das sind die Materialien, die die Familie zur Verfügung hat. Sie werden die Wellbleche dort verwenden, wo weniger Windböen zu erwarten sind, denn die Eternitplatten können bei sehr starkem Wind oder bei Hagel auch mal kaputt gehen, dafür ist es darunter weniger heiss.
Im Hof von Doña Tuti werden gleichzeitig die ersten Palmpfosten gesetzt. Sie hat einen Teil ihres Hauses abgebrochen und wird es auf diesen Pfosten wieder aufbauen. Dabei helfen ihr ihre Tochter "Niña" (das ist ihr Übername) und einer ihrer Söhne und 2 Arbeitskollegen von Niña. Wenn es nötig ist werden auch ich und Escobi mithelfen.
Auch für Marisol sollte es noch ein Palafito geben, sie hatte vorgeschlagen, die Bauarbeiten zu zahlen, da sie kein Team stellen kann. Wir haben ihr die Karanda'y-Pfosten und Paletten zur Verfügung gestellt und sie hatte die restlichen Materialien. Leider lässt ihre ökonomische Situation es jetzt doch nicht zu, jemanden für die Bauarbeiten anzustellen. Diese Woche müssen wir darum noch eine Sitzung machen und schauen dafür eine Lösung zu finden. Auch Kryto braucht mehr Pfosten, denn er hat diejenigen, die er für seinen Brückenzugang hätte brauchen sollen auch verbaut, dafür hat er jetzt ein Haus, wo mehrere Familien Platz haben, das ist ja ansich gut, aber natürlich fehlt ihm der Zugang zur Brücke. Ich hoffe, dass wir es in der Sitzung schaffen eine Lösung zu finden, dass sich die zwei Familien untereinander helfen, dass ihre Häuser fertig werden. So müsste ich nur noch schauen, dass ich die Pfosten für die Brücken-Zuleiter aus dem Projekt-Fond berappen kann und hoffentlich noch genug übrig bleibt um den zwei weiteren Familien Pfähle zu beschaffen, die unterdessen auch ihre Projektideen präsentiert haben. Gaz so einfach ist es jeweils nicht einen Konsens zu finden.
Ich bin immer wieder erstaunt über den unermüdlichen Einsatz, welchen alle hier leisten. Aber es geht nur, wenn wir teilweise mit Material mithelfen und dies geht wiederum nur dank Spenden aus der Schweiz. Darum danke vielmal für jede Überweisung.












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